Donnerstag, 7. Dezember 2017

Leseprobe/Buchgewinn - Loni Littgenstein


Dezember





** Tiefenreise **
von
~ Loni Littgenstein ~


Psycho-Thriller
356 Seiten


Klappentext
(lt.Amazon)
WOHIN GEHT MAN, WENN MAN DAS LEBEN NICHT MEHR ERTRAGEN KANN? 
Eric hatte eine ganz normale Kindheit - bis zu dem Tag, an dem Schreckliches passierte. Sein Vater stirbt. Seine Mutter plagen danach Panikattaken und die Vergangenheit holt sie ein. Rasmus wartet. Als Eric einen fatalen Entschluss fasst, weiß er noch nicht, auf welchen Weg er sich damit machen würde. Die Tiefenreise kann beginnen. Rasmus wartet. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man noch am Leben ist. 


Die Autorin, Loni Littgenstein, stellt mir ein Taschenbuch zur Verfügung, welches ich unter Euch verlosen möchte.

Um das Buch zu gewinnen, bitten ich Euch diese Frage zu beantworten.

Nenne mir den Vornamen des Mädchens, um das sich Dennis und Eric streiten.

Die Lösung schickt ihr bitte bis 
Samstag, den 09.12.2017, 20 Uhr 
per Email an mich:


cschuetz1971@aol.com



Unter allen richtigen Antworten werde ich dann auslosen, wer die glückliche Gewinnerin oder der glückliche Gewinner sein wird und mich per Mail melden, wegen der Adresse.



~ Leseprobe ~


Mama klopfte an und kam herein.
»Was sagst du dazu?«
Sie streckte mir eine gestrickte Mütze hin.
»Ja, ähm – es ist grün.«
Genauer gesagt grasgrün.
»Soll das heißen, dass du es hässlich findest?«
»Nein, nein, das wollte ich nicht sagen.«
»Wirklich nicht?!«
Diese Mütze sah wirklich kindisch aus, aber Mama hatte sich sicher viel Mühe damit gemacht.
Ich setzte sie auf, um sie zu beruhigen.
»Da siehst du, Mama, ist doch gar nicht so übel.«
Sie grinste.
»Das steht dir sehr gut, Eric. Aber sie ist für mich.«
Ich nickte.
»Ich kann sie über mein Gesicht ziehen.«
»Über dein Gesicht ziehen, wieso?«
Ich wollte nicht glauben, was sie da sagte, aber ich wusste genau, was sie damit meinte.
»Ich werde sie brauchen.«
»Wirst du?«
Ich nahm die Mütze in meine Hand.
»Es wird nicht reichen, nur das Licht auszumachen. Rasmus wird mich blenden. Dann werde ich die Mütze über mein Gesicht ziehen und keine Angst mehr haben.«
»Wie du meinst, Mama. Tu das«, sagte ich, damit sie zufrieden war, auch wenn das, was sie sagte, sich albern anhörte.
Sie nahm mir die Mütze ab und rollte sie fest zusammen.
Die erste Nacht in Schutz, dachte ich etwas spöttisch.
»Das werde ich.«
Na klar.
»Keine Sorge, Mama. Was sollte dir Rasmus denn schon antun?«

Sie vergiftete ihren makellosen Körper mit diesem Zeug, das ihr scheinbar Genugtuungbrachte. Ich verstand nichts mehr. Konnte ich mich so sehr in Jessica getäuscht haben? Spielte sie mir etwas vor, um vor irgendeiner Sache zu flüchten? Um sich mit Graf Dope zu vereinen und aus mir einen blödsinnigen Fußabtreter zu machen?
Kurze Zeit der Stille.
»Ich fühl mich so schwer«, sagte sie. »Tonnenschwer.«
Sie betatschte ihn.
»Das vergeht gleich wieder, Jessica.«
»Ich könnte dich fressen. Das meine ich wirklich so. Ich habe einen Mordshunger. Sagen meine Füße, das Gehirn muss essen«, sagte Jessica wirr und fing an, euphorisch zu lachen. Sie konnte nicht mehr aufhören und drohte zu ersticken. Das Gekichere schmerzte in meinen Ohren und enttäuschte mich noch mehr.
»Nicht so laut. Nicht, dass sich welche beschweren.«
»Der Müll beschützt uns. Ich hau sie weg mit meiner Brille und geb ihnen Limo.«
Dennis lächelte, nahm Jessica zu sich, die ihn übertrieben angrinste.
Jessica legte sich auf seine muskulöse Brust. Dennis massierte ihren Nacken.
Ich wurde ein wortloses Etwas ohne jeglichen Nutzen.
»Ich bin fett. So sauschwer, wie ich jetzt bin.«
»Was redest du da? Das denkst du nur. Das hört gleich auf.«
Dieses Gefasel machte mich wahnsinnig. Jessica sah so verändert aus.
»Träume ich … oder bin ich schon da?«, hörte ich sie plötzlich fragen.
Beide kicherten, als sie sich tief in die Augen schauten. Jessica strich über Dennis’Wange, bis hin zu seinem Mund.

Dieser Zeitpunkt verschlimmerte meine Nervosität. Wie dämlich ich doch war. Nach einer kurzen Weile juckte es mich so sehr, dass ich mich nicht zurückhalten konnte. Ich stand auf und ging leise einen Schritt in ihre Richtung.
»Schön, dass du hier bist, Dennis.«
Das meinte Jessica nicht wirklich so!
Ohne Hemmungen fing sie an, diese Pferdefresse zu küssen.
Lang und innig.
Was für eine verdammte Welt.
Länger hielt ich diese Situation nicht aus. Ich warf den Karton zur Seite und stellte mich vor sie.
»Eric?«, starrte Jessica mich an. »Wo kommst du denn her?«
»Du erbärmliches Stück Scheiße. Versteckst dich dort, wo du hingehörst, in all dem stinkenden Müll, und lauerst ihr auf.«
Ich ignorierte Dennis’ verletzende Worte und fokussierte meinen Blick auf Jessica. Sie war perplex und geschockt.
»Eric?«
»Besonders lange hast du nicht gewartet.«

Ich fühlte mich hintergangen. Wie konnte Jessica meine Gefühle abwehren, aber die plumpe Anmache eines Spastis annehmen? Wie gerne wäre ich der Erste gewesen, dessen Lippen sich auf die ihrigen pressten.
»Nicht böse sein. Ich bin durcheinander«, sagte sie, versuchte, dabei ernst zu bleiben, unterdrückte aber ihr Gelächter, das jede Minute aus ihr herauswollte.
»Sieht fast so aus. Und das Dreckszeug macht’s auch nicht besser.«
»Aber es lässt mich vergessen«, sagte Jessica. Und kicherte.
»Willst du mich etwa vergessen?!«
»Sülz«, warf Dennis ein.
»Halt’s Maul. Du machst alles kaputt!«
»Da täuschst du dich, mein Freund. Sie ist voll happy. Dir ist das nicht gelungen, was? Sonst wäre sie ja wohl nicht hier bei mir.«
»Nein, das will ich nicht. Mein Gott, was habe ich getan?«
Jessica schlug ihre Hände vors Gesicht. Sie schämte sich. Auch dafür, dass sie sich über mich amüsierte, ohne es zu wollen.
Dieser verfickte Joint.
»Das frage ich mich auch. Aber das war ja offensichtlich.«
Sie wimmerte.
»Mir ist schwindelig. Ich weiß nicht, was ich tun soll.«
Das wusste ich auch nicht. Mir wurde es übel, als ich das höhnische Gekichere hörte. Dem Arsch gefiel der Aufstand.
»Tu, was du willst, Jessica. Ach, das hast du doch schon.«
»Verpiss dich. Sie will deine Fresse nicht mehr sehen.«
Sie antwortete nicht.
»Mach’s gut, Jessica«, sprach ich leise und rannte enttäuscht davon.

Der Asphalt donnerte mit jedem Schritt, den ich lief. Die Schaufenster der Innenstadt waren imposant und schienen doch zerbrechlich. Die Puppen schienen zu wackeln und ich dachte, ich sähe ein breites Grinsen auf deren Plastikmündern.
Ohne dass ich es hörte, lachten sie mich aus.
Verdammte Welt.
Ich wurde panisch. Sah mich mit erschlafftem Körper auf der Erde liegen. Wehrlos. Jämmerlich. Ein Haufen Mensch voll von Spott.
Die Buchstaben des Namens einer Boutique fügten sich vor meinen Augen zu Wörtern zusammen, die ich nicht sehen wollte.
Erwartung.
Entscheidung.
Ende.

Wo sollte ich nur hin?
Das Böse setzte sich in mir fest und wirbelte meine Sinne durcheinander. Ich war noch nicht bereit, nach Hause zu gehen. Hatte es satt, mich den Ängsten und Attacken meiner Mutter zu stellen. Sich von ihrer krankhaften Fantasie infizieren zu lassen, die einen verstörten Jungen aus mir machten. In einer Seitenstraße pausierte ich für eine Weile und klopfte mir auf den Hinterkopf. Das, was ich eben gesehen hatte, durfte nicht wahr sein. Ich hoffte, dass ich halluzinierte. Das alles ein Abklatsch eines üblen Betruges war, der mich für die Intoleranz Mama gegenüber bestrafen wollte. Vielleicht steckte ich in einem Körper, der geboren worden war, um mich psychisch zu deformieren. Vielleicht verlangte meine Seele von mir, meine Kraft zu nutzen, um die verstörten Probleme zu meistern.
Ich schrie meinen Schmerz hinaus. Und dann noch ein zweites Mal.
Ich konnte mir vormachen, was ich wollte. Das, was ich sah, war real.
Der sonst so starke Kerl, der ich versuchte zu sein, verfiel seinem Verlust. Ich weinte. Langsam lief ich aus dieser Gasse heraus. Die Blicke der anderen, die mich anstarrten, ignorierte ich. Ich befand mich gerade in einer anderen Dimension.
Eine Dimension, die mir den Wert des Lebens nahm.
»Hey, kann ich dir helfen? Alles klar?«, sprach mich ein Mann mittleren Alters an.
»Lassen Sie mich in Ruhe!«, sagte ich gemäßigt. »Ich will nur meine Ruhe«, flüsterte ich mehr zu mir selbst. Der Herr bohrte nicht nach, drehte sich um und ging.
Das war die Gleichgültigkeit eines Fremden, dachte ich mir so.
Das war das, was ich wollte.

Ich wünschte mir die Tabletten von Mama herbei, würde mir eine Überdosis nehmen und dann für immer schlafen. Aber ich hatte sie nicht. Ich lief an den Tauben vorbei, die ich vorher noch gefüttert hatte. Wenn ich doch wie sie Flügel hätte, würde ich ungehindert davonflattern und ganz weit oben nach Vater suchen.
Wie sehr ich ihn vermisste. Im Augenblick mehr denn je.
Der liebe Gott musste mich hierhergebracht haben.
Ich bedankte mich für den Ort. Für das, was mir bevorstünde. Ich würde es tun. Der Herrgott hatte mir ein Zeichen gegeben. Ich ging über die Ampel, bis zu einer Tankstelle. Nach ein paar Metern kam ich dort an. Ich setzte meine Hände fest auf den Sims. Das Wasser spiegelte sich an der Oberfläche und der reißende Strom faszinierte mich.
Dieser Fluss war meine Rettung.
Ich sah mich um. Niemand bemerkte mein Vorhaben. Und wenn ich schnell genug wäre, dann hätte ich es hinter mir. Dann hätte ich es vollbracht. Ich kniff die Lippen zusammen.
Fest entschlossen.
Tante Anna bereitete ich damit sicherlich großen Kummer, aber sie war eine starke Frau. Und Mama? Ich hoffte, sie würde es auch sein.

Was stand mir nun noch im Weg?
Noch einmal schaute ich hinunter.
Wenn ich gegen einen Steinbrocken knalle, geht’s noch schneller.
Dabei dachte ich an die Mütze, die mir Mama strickte.
Wenn du sie über dein Gesicht ziehst, tut’s nicht so weh.
Ich stieg über das Geländer und krallte mich am Betonrand fest.
Ich will nur meine Ruhe.
Eine Frauenstimme schrie auf, als man mich dort entdeckte. Sie rannte sofort zu mir, um mich davon abzuhalten.
»Nein, nicht!«, kreischte sie. Statt darauf einzugehen, beschleunigte ich meinen Plan. Ich lockerte meine Gliedmaßen, schloss die Augen.
Und ließ mich fallen.
Das ist so etwas wie Glück. Das ist das Wertvollste im Leben, das du kriegen kannst.
Gleich würde ich ankommen. Um mein Glück zu finden.


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