Samstag, 28. Januar 2017

Die Schuld der Engel - L.C. Frey



** Die Schuld der Engel **

von

L.C. Frey



Thriller
568 Seiten

Band 1 mit 
Kommissar Karl Sauer
und
Oberkommissarin Selina Gülek



Kurz zur Geschichte
Kommissar Karl Sauer steht kurz vor seiner Pensionierung. Zum Glück kann er einen brisanten Fall noch zum Abschluss bringen und das in Rekordzeit, denn alles erscheint logisch und geklärt. Durch einen komischen Zufall im Urlaub jedoch ändert sich Karl´s Meinung und er sieht glasklar vor sich, was damals wirklich geschehen sein muss und das der Fall doch noch gar nicht geklärt ist. 



Meine Meinung
Von der ersten Seite an haben mich Schreibstil und Story begeistern können.
Gleich zu Beginn passiert etwas furchtbares und ich dachte, wo könnte das bloß hinführen und wie hängt das mit dem eigentlichen Rest der Story zusammen? Alles erschien mir bis dahin zusammenhanglos und unlogisch. Hier ist es L.C. Frey sehr gut gelungen, den Bogen zu spannen, von Seite eins bis zur allerletzten Seite. Der Anfang hat es eh in sich, von 0 auf 100 in 30 Seiten, da kam ich ja kaum zum Luft holen. 
Der Autor schafft es eine, eigentlich normale Wohlfühlsituation, von einer Sekunden auf die andere  kippen zu lassen und man weiß gar nicht wie einem geschieht. Ich habe mir beim Lesen, vor allem als die Kapitel aus Tätersicht kamen, schon die Lösung zur Geschichte zusammengereimt und war mir extrem sicher, das es so, und nur so, passiert sein muss, niemand anderes kam für mich als Täter in Frage, bis .... ja bis .... 
Kommissar Karl Sauer und Selina Gülek sind keine Überflieger, sondern Ermittler mit Ecken, Kanten und einer Prise Humor. Beide waren mir sofort sympathisch, was ich auch zu den Personen sagen kann, die eigentlich nur kurz zu Wort kommen, aber auch hier hat der Autor ihnen genug Zeit eingeräumt um sich zu beweisen und vorzustellen. 
Ein Thriller, der spannend, logisch und klug bis zum furiosen Finale ist. 

Mittwoch, 25. Januar 2017

Pankfurt - Robert Maier





** Pankfurt **
von
Robert Maier


196 Seiten
Roman
erschienen im
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Kurz zur Geschichte
Frank Neumann studiert in Frankfurt Physik und möchte aus, dem etwa einer Stunde Fahrzeit entfernten, Butzbach näher zur Uni ziehen, um länger schlafen zu können und um in der coolen Stadtszene mit abzuhängen. In einer Zeitung entdeckt er die Anzeige, das eine WG einen "solidarischen" Mitbewohner sucht. Frank kommt bei den anderen WG-Bewohnern gut an und hat das Zimmer sicher. Er lebt sich gut ein, doch durch einen blöden Zufall gerät er ins Visier von Hauptkommissar Berger, der in Frank einen RAF-Terroristen sehen will und ihn observieren lässt. Als Frank sich dann in eine Frau verliebt, sieht der Kommissar rot und versucht mit allen Mitteln ihn ins Gefängnis zu bringen.


Meine Meinung
Ein tolles Buch aus dem Anfang der 80er Jahre, welches den Zeitgeist und das Lebensgefühl von damals extremst gut wiederspiegelt. Es durfte noch überall geraucht werden, der Musikgeschmack hat entschieden ob man jemanden mag oder hasst, die RAF hat das Land erschüttert und Tausende haben sich gegen den Bau der Startbahn West aufgelehnt. So auch der Hauptprotagonist Frank Neumann, der erstmal das Klischee eines Studenten voll erfüllt. Näher zur Uni ziehen, damit man länger schlafen kann, dann in einer Männer-WG mit deckenhohen dreckigen Geschirrstapeln inkl. verschimmelten Essen leben und jeden Tag in der Großstadt Party machen und kaum zur Uni gehen. Dann die andere Seite, die Atomkraftgegner, die alternative Szene und die Bewohner des Hüttendorfes auf der Startbahn West. Und hier gerät Frank durch einen blöden Zufall zwischen die Fronten, obwohl er es eigentlich gar nicht will. Auf einmal ist er mittendrin und durch die Liaison mit Monika, die ausgerechnet die Tochter des Kommissars ist der ihn eh schon auf dem Kieker hat, gerät er noch tiefer ins Schlamassel. Extrem typisch, aber trotzdem sympathisch, hat Robert Maier, die Charaktere angelegt, so das ich oftmals schmunzeln musste. 
Beim Lesen wurde ich an vieles erinnert und manches Kind dürfte sich wundern, wenn die Eltern aus der damaligen Zeit berichten würden. Es ging hoch her und jeder wollte bei irgendetwas großem dabei sein. 

Unbedingte Leseempfehlung von mir, an alle die sich manchmal zurückerinnern wollen und die gerne Romane lesen, wo man merkt, das der Autor bestimmt auch einiges aus seinem echten Leben mit eingebaut hat.  

Montag, 23. Januar 2017

Was der Nebel verbirgt - Maximilian Seese



** Was der Nebel verbirgt **
von
Maximilian Seese


416 Seiten
Genre: Thriller
spielt in: England
Verlag: Edition M



Kurz zur Geschichte
Seit einer nicht geglückten Festnahme vor über 14 Jahren ist Laxley Doherty mit seinem Bruder Francis auf der Flucht. Er soll seine Eltern und seine kleineren Geschwister brutal ermordet haben. Seit diesem langen Zeitraum befasst sich der Polizist Gordon Grant mit dem spurlosen Verschwinden, doch nun wird die "Akte Doherty" offiziell geschlossen und genau einen Tag später wird die Leiche Doherty´s aufgefunden und Grant begibt sich erneut auf die Suche nach der Wahrheit und er wird nicht nur diese finden, sondern auch noch etwas anderem, unglaublichen auf die Spur kommen.



Meine Meinung
Dies ist das Debüt von Maximilian Seese und ich muss sagen, es kann sich sehen bzw. lesen lassen.
Gleich auf den ersten Seiten ist man mitten drin im Geschehen.
Der Prolog beginnt im Jahr 2002 mit einem Polizeieinsatz im Moor und dieser soll nicht ohne Folgen bleiben. Sehr spannend geschrieben und bildlich so ausgearbeitet, das ich dachte, ich wäre im Moor mit dabei und würde auch so langsam und atemlos darin versinken. Zudem wird hier die Vorgeschichte etwas erzählt, so das man weiß, wieso, weshalb und warum sich die Einheit im Dartmoor National Park in Gefahr begibt.
Dann gibt es einen Sprung und man ist im Heute angekommen. Gordon Grant war damals noch im Sondereinsatzkommando und wäre fast im Moor umgekommen, nun hat er die Karriereleiter erklommen, ist Chief Superintendent, aber der Doherty-Fall hat ihn in die ganzen 14 Jahren nicht losgelassen. Grant ist 54 Jahre alt, aber immer noch topfit und wenn er sich einmal an etwas fest gebissen hat, lässt er so schnell nicht mehr los, bis zur Klärung. Ein echt cooler Protagonist, dem ich noch einige spannende und spektakuläre Fälle zutraue. Am Besten mit seinem Body, dem Profiler Sean Bradock. 
Die Figuren sind alle gut ausgearbeitet, selbst wenn sie nur kurz am Rande erwähnt werden, erfährt man doch einiges. Der Thriller besteht zum allergrößten Teil aus der Ermittlungsarbeit, aber ab und zu bekommt man kleine Einblicke in das Privatleben und in die Gedankenwelt.  
Manche Beschreibungen sind mir etwas zu kleinlich und zu detailverliebt beschrieben, aber das tut der Spannung keinen Abbruch, bis zu den letzten Seiten, wo dann ausführlich alles auf- und erklärt wird. Das wirkte dann wiederum für mich etwas hölzern und konstruiert, so wie mit dem erhobenem Zeigefinger erklärt.
Wer aber actionreiche Storys liebt, kommt hier voll auf seine Kosten: Morde, viele Leichen, Erpressung, Überfälle, Korruption, Schusswechsel, wilde Verfolgungsjagden zu Fuß und mit dem Auto. Das kommt dem Stile eines amerikanischen Thrillers schon recht nahe und ich musste mir oftmals wieder ins Gedächtnis rufen, das ja eigentlich alles in England spielt und die Story von einem deutschen Autor stammt.
Alles in allem: Ein lesenswerter Thriller und ich hoffe auf weitere Bücher mit Gordon Grand. 

Mittwoch, 18. Januar 2017

Domain-Umzug




Wir sind umgezogen, ist vielleicht etwas übertrieben, aber mein Blog ist jetzt einfacher zu erreichen, denn ich habe nun meine eigene Domain.

In Zukunft ist der Blog ganz einfach über:


anklicken->www.missnorge.de<- anklicken


zu erreichen. 
Die Weiterleitung erfolgt automatisch.

Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß mit meinem Blog und meinen Rezensionen.


Liebe Grüße Eure
Claudia *Miss Norge*

Donnerstag, 12. Januar 2017

Angstmädchen - Jenny Milewski




* Angstmädchen *
von
Jenny Milewski



Thriller ???
336 Seiten
Schweden
erschienen 
am 09. Januar 2017
im HEYNE Verlag




Kurz zur Geschichte
Malin Granström, 19 Jahre, geboren in Südkorea, aber als Baby nach Schweden adoptiert, bezieht eine eigene Studentenwohnung mit Badewanne. Welch ein Luxus. Doch dieser Luxus wird sich bald als wahrer Schrecken herausstellen, denn es passieren ungewöhnliche Dinge und es dauert nur kurze Zeit bis ihre Mitbewohner sie darüber aufklären. Seitdem hat Malin in ihrem Zimmer keine ruhige Minute mehr, denn die vorherige Bewohnerin Yuko hat sich in genau dieser Badewanne die Pulsadern aufgeschnitten und ist dort verblutet. Das alles ist gerade mal eine Woche her. 



Meine Meinung
Auf dem Cover steht "Thriller", deswegen wollte ich das Buch auch sehr gerne lesen, doch ich würde es eher unter Grusel- bzw. Mystery-Roman einordnen, denn es passieren ungewöhnliche Dinge, Schuhe fliegen herum, Türen knallen, gehen von alleine auf und zu, der Fernseher schaltet von einem Programm zum nächsten und wieder zurück, ein Geist schwebt durch die Räume, zudem zieht Malin haufenweise dunkle, lange Haare aus dem Abfluss ihrer Badewanne. Die Geschehnisse spitzen sich so zu, das sich die WG überlebt, wie sie dem Spuk ein Ende bereiten könnten, denn ein Mädchen aus der Gruppe verschwindet spurlos und zwei Jungen lassen sich in den Tod treiben. Das wurde mir irgendwie zu lapidar und zu gefühllos runter geschrieben und abgetan. Wie sie dem Geist der toten Studentin Yuko beikommen wollen, wurde nochmal extrem übertrieben, mit der Geschichte in der Pathologie.
Einige Gruselszenen sind recht spannend, aber das war es leider auch schon. 
Die einzelnen WG-Mitglieder wurden mir nicht richtig sympathisch und der Plot erscheint mir oftmals zu sehr an den Haaren herbeigezogen.






Montag, 9. Januar 2017

Die Perlenfrauen - Katie Agnew



* Die Perlenfrauen *
von
Katie Agnew


Roman
560 Seiten
erscheint
am 13. Februar
im HEYNE Verlag


Kurz zur Geschichte
Die weltberühmte Schauspieler Matilda *Tilly* Beaumont bekommt zu ihrem 18. Geburtstag von ihrem Vater ein wertvolles und wunderschönes Collier geschenkt, mit 66 champagnerfarbenen Perlen.Doch seit sie die Kette später an ihre eigene Tochter Alice weitergegeben hat, ist das Collier nicht mehr auffindbar. Nun liegt Tilly im Sterben und als letzten Wunsch möchte sie noch einmal die Kette sehen, die mit so vielen Erinnerungen behaftet ist. Wird es ihrer Enkelin Sophia gelingen, die Kette nach so vielen Jahrzehnten zu finden um diese noch rechtzeitig ihrer Großmutter umlegen zu können? 

Meine Meinung
Drei Generationen - eine jahrelange Lüge - 66 Perlen und eine davon fehlt. Wird diese eine Perle der Schlüssel zum Glück und zum Familienfrieden sein?
Katie Agnew ist hier ein wundervoller Roman gelungen über eine Familie, die Geheimnisse birgt die auf keinen Fall ans Licht kommen sollen, doch irgendwann springt jeder über seinen eigenen Schatten und lüftet ein Geheimnis.
Sehr abwechslungsreich lässt die Autorin uns Leser durch die ganze Welt reisen, von London über New York, sogar bis nach Tokyo, dadurch lernt man die verschiedenen Charaktere kennen, die zwar meilenweit entfernt leben und sich "noch" völlig unbekannt sind, aber die eines vereint, das Geheimnis um das Perlencollier.

- England -
Hier lebt Sophia, die durch einen Streit keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern hat und die Memoiren ihrer Granny liest, welche einst eine berühmte Schauspielerin war und nun im Sterben liegt. Sophia lebt mit ihrem besten schwulen Freund Hugo in den Tag hinein, ohne feste Arbeit und in einer Zweck-WG. Dabei ging es ihr doch einmal so richtig gut. Damals, als sie selbst noch etwas vom berühmten Glanz ihrer Granny abbekam und in den Clubs der Stadt bekannt war und zweitklassige TV-Shows moderierte. Doch nachdem ihr der Geldhahn abgedreht wurde, muss sie jeden Cent zweimal umdrehen, aber arbeiten zu gehen, nein, das kommt ihr nicht in den Sinn. Bis ihre Granny im Sterben liegt und sie damit beauftragt die Perlenkette ausfindig zu machen. Nun kommt endlich wieder Elan in Sophia.

- USA -
Hier lebt Dominic, der Dokumentarfilmer kommt gerade aus Ecuador zurück wo er einige Zeit seinem Job nachgegangen ist. Diese Auszeit kam ihr sehr recht, denn kurz vorher hat ihn von jetzt auf gleich seine Frau Calgary verlassen. Grund:Er wollte gerne eine Familie gründen, sie aber nicht, denn ihre Karriere ist viel wichtiger, als plärrende und schmutzige Kinder. Zudem benahm sich Calgary immer sehr gefühlskalt, unnahbar, überheblich und oftmals schroff gegenüber Dominic, so das er sich auch nicht mehr richtig wohl fühlte in der Ehe. Doch statt zu kämpfen, schmiss Calgary alles hin und räumt ihm noch die Wohnung aus, außer einem Sessel und einer Matratze ließ sie ihm nichts. 

- Japan -
Hier lebt die Muscheltaucherin Manami mit ihrer Großmutter und ihrer Tochter Aiko. Hatte Manami in den Muscheln Perlen gefunden, was extrem selten vorkam, hat sie diese nicht ihrem Chef abgegeben, sondern selbst behalten und heimlich unter einem losen Dielenbrett in ihrer Hütte gesammelt, für ein besseres Leben, welches sie ihrer kleinen Tochter Aiko bieten wollte. Doch bei einem Tauchgang kommt es zur Katastrophe und Manami stirbt. Jahre später macht sich Aiko auf den Weg nach Tokyo, mit den Perlen um dort ein besseres Leben zu beginnen, doch das ist gar nicht so einfach.

Dann gibt es neben diesen Kapiteln, die in verschiedenen Ländern spielen, noch Rückblenden, wie z.b. das Leben von Sophia´s Granny war, die Kindheit, die Jugend, als sie ihren Mann kennenlernte und wie sie eine berühmte Schauspielerin wurde. Diese Geschichte hat mir besonders gut gefallen, denn durch den Krieg in den 1930er Jahren ist das Leben schwer gewesen und Granny musste sich noch um ihren schwer verwundeten Vater kümmern, der aus dem Krieg zurückkam. Ihre Mutter vertrieb sich die Zeit lieber mit einem neuen Mann und ließ Tilly und ihren Vater im Stich. Als Belohnung bekam Tilly dann zum 18. Geburtstag die besagte Perlenkette und damit nimmt die Geschichte ihren Lauf. 

Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich danke dem Heyne-Verlag für die Möglichkeit dieses tolle Buch gelesen zu haben.

Sonntag, 8. Januar 2017

Lesereise in den Tod - Jürgen Schmidt



* Lesereise in den Tod *
von
Jürgen Schmidt


Krimi
200 Seiten
erscheint 
am 19. Januar 2017
im Verlag EDITION OBERKASSEL



Kurz zur Geschichte
Mona de la Mare ist Autorin und da ihre Bücher nicht so der Hit sind und sie selbstbewusst wie keine andere ist, gibt sie vor die Enkelin eines britischen Schriftstellers zu sein. Sie organisiert eine eigene Lesereise und vorher bettelt sie praktisch die Buchläden an, mit ihr eine Lesung zu veranstalten. Von ihren, vor Glück übertriebenen, Postings in den sozialen Medien ganz zu schweigen und den Haufen an Fans, die immer auf dem aktuellsten Stand von Verkaufszahlen und privaten Neuigkeiten sind. Doch nach einer Lesung in Bad Münstereifel, ahnt Mona nicht, wie dieser Abend noch enden wird.



Meine Meinung
Dies ist der erste Krimi des Autors Jürgen Schmidt und das fühlt man während des Lesens auch. Was ich aber nicht als negativ bezeichnen möchte, denn in der Story und vor allem im Zusammenspiel mit dem Privatermittler Andreas Mücke steckt noch viel Potenzial. 
Sehr gut gelungen und hervorheben möchte ich, das es keine langweilige Einleitung über einige Seiten gibt, denn es geht gleich los und man ist mittendrin in der Geschichte. Die Charaktere, allen voran Andreas Mücke, sind authentisch, echt, normal und könnten im Haus nebenan wohnen. Mücke erlebt den alltäglichen Wahn, wie wir ihn alle kennen und das macht ihn so menschlich, sympathisch und realitätsnah. Außer man lässt Mona de la Mare mal außen vor, denn sie ist so übertrieben selbstbewusst, das ich oftmals lachen musste. 
Die privaten Einblicke in das Leben von Mücke und seiner Freundin Jess haben bei mir das Gefühl hervorgerufen, das es weitere Bücher geben wird, denn am Ende der Geschichte blieb ich als Leserin etwas im Ungewissen zurück.
Die Geschichte lebt hauptsächlich davon, das Andreas Mücke den Leser an die Hand und mit auf seine Ermittlungsreise nimmt. Die Polizei findet kaum Erwähnung und wenn, dann kamen sie mir ziemlich tapsig daher. 
Plötzliche Wendungen haben immer wieder meine Gedanken verworfen, wer denn nun der Übeltäter ist und bis zum Ende begleitete mich diese Spannung. Was mich manchmal etwas irritierte waren die sprunghaften Kapitelwechsel. Den Schreibstil würde ich als sehr gut lesbar beschreiben und auch wenn ich noch nie in Bad Münstereifel und Co. war, hatte ich alles bildlich gut vorstellbar vor meinem inneren Auge.

"Lesereise in den Tod" ist jetzt kein Krimi der den Leser atemlos von einer Seite zur nächsten treibt, aber allemal ein lesenswertes Debüt des Autors in diesem Genre. Sollten weitere Bücher mit Mücke folgen, ich würde sie auf alle Fälle lesen. 

Samstag, 7. Januar 2017

Unsere Hälfte des Himmels - Clarissa Linden

 


* Unsere Hälfte des Himmels *
von
Clarissa Linden


Roman
448 Seiten
erscheint
am 10.Januar 2017
im KNAUR TB Verlag



Kurz zur Geschichte
In den 1930er Jahren sind Amelie und ihre Freundin Johanna (Hanni) unzertrennlich. Beide verbindet die Leidenschaft des Fliegens und eines Tages wollen sie den Himmel erobern und als Pilotinnen bekannt werden. Doch in der Nazizeit scheint es unmöglich sich diesen Traum zu erfüllen. Doch beide Frauen halten an diesem Traum fest, bis sich eine in den Fluglehrer verliebt und die andere deswegen ihre gemeinsame Berufslaufbahn in Gefahr sieht und eine folgenschwere Entscheidung trifft.
40 Jahre später, Lieselotte, die Tochter von Amelie würde sehr gerne ihrem tristen Leben in Kassel entfliehen. Durch einen Unfall liegt ihre Mutter Amelie im Koma und um in ihrer Nähe zu sein, zieht Lieselotte kurzfristig in deren Wohnung nach Frankfurt und kann sich für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben begeistern. Zudem kommt einem Geheimnis auf die Spur, welches sie ihrer gefühskalten Mutter niemals zugtraut hätte.


Meine Meinung
Wie ja schon mehrmals erwähnt, liebe ich den Schreibstil von der Autorin sehr. Gefühlvoll, genau der Zeit entsprechend echt, normal und nicht zu übertrieben stellt sie die Charaktere ihrer Geschichte vor, inkl. einer Personenübersicht zu Beginn des Buches.

Kassel, Anfang der 70er Jahre:
Lieselotte lebt mit ihrem Ehemann Eduard in Kassel und führt ein Leben welches ihr Mann bestimmt. Sie bedient ihn, macht und kocht und folgt seinen Kommandos. Doch innerlich träumt sie von einem Leben welches auch ihr gefallen würde, selbstbestimmt, unabhängig und gedanklich frei. Doch das scheint zu diesen Zeiten damals unmöglich, eine Frau gehört in das gemütliche Daheim. Doch wie das Schicksal es will fällt Lieselotte´s Mutter nach einem Unfall ins Koma und um bei ihr zu sein, reist Lieselotte nach Frankfurt und zieht kurzfristig in die mütterliche Wohnung. Obwohl die Mutter-Tochter-Beziehung meist gefühlskalt und nicht so inniglich war, möchte Lieselotte ihrer Mutter unter diesem schlimmen Umstand nah sein.
Während dieser Zeit stöbert sie in den Unterlagen ihrer Mutter und findet einen Brief der mit "Hanni" unterschrieben wurde. Eine Hanni hatte ihre Mutter ihr gegenüber nie erwähnt. Nun begibt sich Lieselotte auf eine Reise in die Vergangenheit, wo sie nicht weiß wie diese enden wird. Doch eines hat sie schon gemerkt, ihr gefällt dieses eigenständige und selbstbestimmende Leben ohne Kommando-Eduard sehr gut.


Frankfurt, in den 30er Jahren:  
Amelie und ihre engste Freundin Johanna (Hanni) verbindet das Hobby des Fliegens. Doch sie wollen nicht nur ihre Freizeit damit verbringen, denn sie streben nach Höherem und bewerben sich für die Ausbildung als Werksfliegerinnen bei den Bücker-Werken. Doch als beide die Zusage bekommen hat sich Amelie inzwischen in den Fluglehrer Felix verliebt und ist zudem noch schwanger von ihm. Hanni will aber das Amelie mit ihr nach Berlin zieht und die Ausbildung beginnt, doch wie kann sie die frisch Verliebten trennen? Sie schmiedet einen folgenschwerden Plan und ahnt nicht im geringsten was sie damit anrichtet.


Mutter und Tochter sind sich doch nicht so unähnlich wie man zuerst dachte, beide haben sich von anderen Menschen bestimmen lassen, wie sie leben und was sie zu tun haben. Amelie lässt sich von der herrischen Hanni vorsagen, was sie zu tun hat und baut damit einen ungemeinen Druck auf, um bloss gemeinsam ans Ziel zu kommen und Lieselotte lässt sich 40 Jahre später von Eduard ihr Leben vorschreiben. Aber so war das damals, man kannte es nicht anders und ändern wollte/konnte man es eh nicht. Aber der innere Drang, das sich was ändern muss, der wird hier sehr gut beschrieben. Man möchte beim Lesen förmlich ins Buch schreien, lebt Euer Leben und nicht wie es andere wollen.
Je mehr ich in die Geschichte eindrang, umso mehr konnte ich es aber auch verstehen, so waren eben damals die Zeiten.
 Schade fand ich, das Lieselotte und Amelie keine so liebevolle und innige Beziehung zueinander hatten, man merkte irgendwie, das die Tochter vielleicht zu keinem unpassenderen Zeitpunkt hätte geboren werden können. Der Traum als Fiegerin war für Amelie somit ausgeträumt. 
Hier zitiere ich zwei Sätze von Amelie die eigentlich alles aussagen:
" Nur ein Kind, das sich zwischen sie und den Himmel stellt. Ein Kind, das sie sich nicht gewünscht hat und für das sie nun zwiespältige Gefühle hegt."
Aber vielleicht erwacht Amelie ja aus dem Koma und die beiden Frauen nähern sich wieder an? Ich würde es beiden wünschen, denn nichts ist enger, wie eine Mutter-Tochter-Beziehung.

So gar nicht verstehen konnte ich Hanni, die zwar immer sehr genau wusste wie sie an ihre gesteckten Ziele kommen kann, aber das sie sich so gemein und überaus tragisch gegenüber ihrer angeblich besten Freundin Amelie benahm, das hat mich sehr schockiert. Aber wie konnte Amelie es auch wagen, sich zu widersetzen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen ohne es mit Hanni zu besprechen? Ein Schritt aus dem Schatten und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Ich liebe es ja immer sehr, am Ende eines Buches noch Nachträge und weitere Hintergrundinformationen zu lesen und hier wurde ich wieder nicht enttäuscht. Sehr lesenswert und informativ.

Meine Empfindungen beim Lesen:
Während des Lesen hatte ich "echte Bilder" aus der Zeit der 70er Jahre in Kassel vor mir, da ich die Stadt sehr genau kenne und zu der Zeit das Licht der Welt dort erblickte. Schmunzeln musste ich bei einigen Erinnerungen, die schon verschüttet waren, aber hier erwähnt wurden und mir ins Gedächtnis dadurch gerufen wurden z.b. das abendliche Martini-Bier, ein Stück der legendären Ahlen Worschd, die leckeren Treets oder der "Seifenplatz" (Ihr Platz-Eine Drogerie). Herrlich wie diese Bilder wieder auflebten. Danke dafür, liebe Clarissa. 

Für diesen wundervollen Roman gibt es von mir eine klare Kauf- und Leseempfehlung.
 
   

Montag, 2. Januar 2017

Die Strömung - Cilla & Rolf Börjlind




*Die Strömung*
von
Cilla & Rolf Börjlind


Schweden-Krimi
Band 3 der Rönning & Stilton-Serie
erschienen
am 08.März 2016
im btb Verlag


Kurz zur Geschichte
Im südlichen Schweden wird ein kleines Mädchen beim Spielen im Sandkasten ermordet. Ein paar Tage später wird einige hunderte Kilometer entfernt ein kleiner Junge umgebracht. Die beiden Morde weisen Parallelen auf und werden nun als ein Fall behandelt. Haben die Morde rassistische Hintergründe, denn die beiden Eltern wurden vor den Taten bedroht. Schnell kommt eine rassistische Gruppierung ins Fadenkreuz der Ermittler.


Meine Meinung
Dies ist Band 3 der Rönning & Stilton-Reihe, aber mit einem in sich abgeschlossenen Fall. Wer allerdings so wie ich, Serien-Fan ist und gerne die Charaktere von Beginn an begleitet und die Weiterentwicklung mitverfolgt, der sollte wirklich Band 1+2 vorher lesen, da die Hauptpersonen schon einiges zusammen erlebt haben.
Cilla & Rolf Börjlind haben sich hier recht zwei brisanten und leider immer noch aktuellen Themen zugewandt, Kindermorde und Rassismus. Eine große Aufgabe, aber die beiden Autoren haben es sehr gut und atmosphärisch umgesetzt, keine leichten Themen, die selbst einen beim Lesen oftmals den Kopf schütteln lassen.
Was mir sehr gut am Schreibstil gefällt ist diese Gradlinigkeit, keine ausschweifenden und überflüssigen Erzählungen, sondern zack zack auf den Punkt, und das bei über 500 Seiten.
Die Polizistin Olivia Rönning ist reifer geworden, hat einen klaren Instinkt und hört wie immer auf ihr Bauchgefühl.
Tom Stilton gehört eindeutig zu einem meiner Lieblingscharaktere, einst ein bekannter Polizist, ein Fall den er nicht lösen konnte und nach einem Totalabsturz ist er arbeitslos und obdachlos geworden. (Band 1) 
Ohne ihn, würde mir was fehlen in den Büchern, zum Glück hat er sich ja wieder berappelt.
Spannend finde ich immer diese unerwarteten Wendungen und das die verschiedenen Handlungsstränge aus Vergangenheit und den aktuellen Geschehnissen sich zum Ende hin gut verbinden lassen. Ein toller Krimi, der zum Ende hin nochmal rasant Fahrt aufnimmt und mir keineswegs auf den vielen Seiten zu langatmig oder langweilig erschien.

Wer Schweden-Krimis mag, wird diese Serie lieben.

Das Walmesser - C.R. Neilson



*Das Walmesser*
von
C.R. Neilson


Färöer-Krimi
512 Seiten
erschienen 
am 28.12.2016
im HEYNE Verlag



Kurz zur Geschichte
John Callum kommt als "Der Neue" von Glasgow auf die Färöer-Insel und lässt sich in der Hauptstadt Tórshavn nieder. Eines Tages erwacht er klitschnass und verkatert morgens unter freiem Himmel auf, mit einem Walmesser in seiner Jackentasche, daran Blut, aber nicht seines. Von wem ist das Blut? Was ist passiert? Wem ist etwas passiert? John kann sich an nichts mehr erinnern und gerät als "Ausländer" in den Strudel der Ermittlungen.


Meine Meinung
Mein erstes Buch welches auf den Färöer Inseln spielt und ich hoffe, nicht das letzte, denn es hat mir unglaublich gut gefallen. Ich bin ja eh ein Fan des Nordens und mit den detaillierten Landschaftsbeschreibungen hat mich C.R. Neilson in seinen Bann gezogen. So unglaublich lebensecht und nah beschreibt er die Charaktere der Insel-Bewohner, die natürlich erstmal gegen jeden und alles sind, was neu ist und getrunken wird auch so oft es geht und egal zu welcher Tageszeit. So ergeht es auch John Callum als er dort hinkommt. Man wird mit der Hauptperson nicht gleich so richtig "warm", da John anscheinend einen Neustart wagen will und es immer kapitelweise kurze Andeutungen und schlimme Albträume gibt aus seiner Vergangenheit. John empfinde ich als düster, undurchsichtig und geheimnisvoll. Das passt sehr gut in die Geschichte und die Person wird hervorragend dargestellt.
Die Spannung schleicht sich so ganz langsam ein, in gut platzierten Nebensätzen und Beobachtungen, als John verhaftet wird und angeblich einen Mord begangen haben soll. Das typische Klischee, der Neue der vorher Streit mit dem Opfer hatte, das blutige Messer in seiner Jacke und angebliche Zeugen. 
Es ist jetzt kein Krimi welcher rasant und extrem übertrieben brutal und blutig daherkommt, sondern so wie die Menschen aus dem Hohen Norden eben dafür bekannt sind, ruhig und gelassen.